Das Salzburger Grosse Welttheater
von Hugo von Hofmannsthal

Ein Schauspiel, ein Theater ist angesagt, in welchem die Menschen als Spielzeuge Gottes agieren. Die Welt ist Bühne, auf der wir uns ein Leben lang wie Schauspieler bewegen und eine Rolle verkörpern. Hugo von Hofmannsthal hat nach seinem Erfolg mit «Jedermann» sein zweites geistliches Spiel, «Das Salzburger Grosse Welttheater» geschrieben. Gott, der Meister, tritt auf und erachtet das Tun und Treiben der Menschen als eines Schauspiels würdig. Die Figur der «Welt» erhält den Auftrag, die Rollen zu verteilen, die das Spiel von König und Bettler, von Schönheit und Weisheit, von Reich und Arm vorstellen. Am Ende ist es der Tod, der die einzelnen Figuren abberuft. Das Irdische – Materie, Geschlecht, Raum, Zeit, Macht, Gesetz – wird unwichtig. «Bereitet euch auf ungeheures Licht», so endet das Spiel, das ein würdiges, im Umfeld einer Klosteranlage auch ein festliches Geschehen für Augen und Ohren sein will. Und es wirft die aktuelle Frage über Gott, über Gottesbilder, über Mystifi kation oder Glauben und Unglauben auf. Hofmannsthals Text weist zudem auf die biblische Aussage hin, dass die Freiheit des Menschen dort beginnt, wo auch die Fähigkeit zum Leiden mit eingeschlossen ist.